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Zur Therapie von Blutungen oder deren Vermeidung müssen die fehlenden Faktoren oder deren  Funktion  ersetzt werden (Substitutionstherapie).
Zur Therapie des von Willebrand-Syndroms werden Medikamente
(DDAVP) und auch Konzentrate des fehlenden Gerinnungsfaktors (von Willebrand-Faktor gebunden an Faktor VIII) intravenös infundiert, die aus Blutplasma hergestellt sind. Bei schweren Blutungskrankheiten empfiehlt sich die Heimselbstbehandlung zu Hause nach vorangegangener Schulung.
Die Herstellung von Gerinnungsfaktoren aus Blutplasma erfordert viele Blut-/Plasma-Spenden.
Umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen und Reinigungsschritte verhindern die Übertragung von Virus- und anderen Infektionen.


Therapie des vWS

  • DDAVP  (i.v., s.c., nasal)
  • Faktor VIII/vWF - Konzentrate
  • adjuvante Therapien


Therapie des vWS: DDAVP 


DDAVP induziert  cAMP- und Calcium- abhängig die Freisetzung von vWF aus Weibel-Palade-Körpern und alpha-Granula und erhöht damit temporär die Plasmakonzentration (auch für F VIII).

0,3 ìg/kg KG in 50 bis 100 ml NaCl (über 30 min i.v.) erhöht die Plasmakonzentration von vWF und  F VIII innerhalb von 1 h für bis zu 12 h um das 3- bis 5-fache. Die Infusion kann bei Bedarf alle 12-24 h wiederholt werden. Es sollte eine Plasmakonzentration von 50 IE/dl erreicht werden.

Da nicht jeder Patient auf DDAVP reagiert, sollte mittels wiederholter Testdosen die individuelle Ansprechbarkeit getestet werden.

Die Tachypylaxie ist speziell bei Patienten mit vWS-Typ 1 nicht stark ausgebildet (sonst Faktorensubstitution).

Bei kleineren Blutungen oder Operationen genügt eine einmalige Gabe, nach grösseren Eingriffen muss die Plasmakonzentration bestimmt und für mindestens 3 Tage aufrechterhalten werden.

Nebenreaktionen: Fush, milde Kopfschmerzen, Hyponatriämie (mit Wasserintoxikation) selten.

Cave! Thrombotische Komplikationen durch Freisetzung "ultragrosser" vWF-Multimere und direkter Thrombozytenaggregation in stenosierten Arterien wurden berichtet!

  • Typ 1: sehr effektive Therapie, wenn Speicher ausreichend sind (reflektiert anhand normaler vWF-Level in Thrombozythen). (~75 % !)
  • Typ 2A: F VIII steigt zwar, aber Blutungszeit bleibt meist unverändert (Therapieversuch lohnenswert !).
  • Typ 2B: Kontraindiziert, da durch exzessive Plättchenbindung eine Thrombozytopenie und evtl. Thrombose induziert wird.
  • Typ 2M:  da der vWF dysfunktional ist, gibt es keinen Effekt.
  • Typ 2N: F VIII wird ohne vWF-Schutz nur kurzfristig angehoben
  • Typ 3: Kein Effekt, da keine vWF-Speicher (+Thrombo.-Konzentrat)


Therapie des vWS: Faktorensubstitution

Ausser bei vWS Typ 1 (und evtl. 2A) muss eine vWF-Substitution als

Blutungsprophylaxe bzw. -therapie mittels FVIII/vWF-Konzentraten erfolgen.

Nur mit zweien dieser Präparate bestehen ausreichende Therapieerfahrungen:

  • HAEMATE HS / HUMATE P  (Aventis Behring)    (F VIII: C)
  • IMMUNATE  (Baxter Immuno)                         (VWF: Rcof)


Hochreine bzw. rekombinante Faktor VIII-Präparate sind für die Therapie des vWS ungeeignet, da ihre Halbwertszeiten im Plasma ohne vWF-Schutz extrem kurz sind.

Ein an vWF reiches, chromatographisch gereinigtes Präparat (LFB) konnte erfolgreich bei einem kleinen Patientenkollektiv mit Typ 3 vWS eingesetzt werden.

Die Dosierung ist abhängig vom Ausmass der Blutung bzw. des geplanten operativen Eingriffs und sollte bis zur vollständigen Heilung verabreicht werden:

Grosse OP: 40-60 IE/kg KG   einmal täglich  (F VIII:C > 50 IE/dl)
Kleine OP:  30-50 IE/kg KG   einmal täglich  (F VIII:C > 30 IE/dl)
Zahnextr.:  20-30 IE/kg KG   einmalig         (F VIII:C > 30 IE/dl (>12 h))
Spontane Blutung: 20-30 IE/kg KG   einmalig   (FVIII:C > 30 IE/dl)

Therapie des vWS: Adjuvante Therapien

  • antifibrinolytische Aminosäuren  (Sättigung der Bindungsstellen für Plasminogen) - z.B. Tranexamsäure (20 mg/kg KG alle 10 h)
  • Östrogene:  werden selten eingesetzt, in Form oraler Contrazeptiva vermindern sie jedoch Menorrhagien bei Frauen (sogar bei Typ 3 vWS), wahrscheinlich über eine Wirkung auf das Endometrium.
  • Thrombozytenkonzentrat: wenn im seltenen Fall eine Blutung nicht durch Faktorenkonzentrat gestoppt werden kann (4 - 5 x 10¹¹ Thrombos.). Transportieren und lokalisieren möglicherweise vWF an den Ort der Blutung (Typ 3 ?!?).


Therapie des vWS während Schwangerschaft und Geburt


Das vWS beinflusst die Fertilität und Fehlgeburtsrate betroffener Frauen nicht. 

  • Typ 1: vWD sollte peripartal über F VIII:C  gemonitort werden (sollte über 20 IU/dl liegen, sonst peripartal 4 Tage DDAVP)
  • Typ 2B: möglicherweise Ausbildung oder Verschlimmerung einer Thrombozytopenie (Blutungsneigung)
  • Typ 3:  während und bis 4 Tage nach der Geburt F VIII:C bestimmen und entsprechend täglich F VIII/vWF (40 - 60 IE/kg KG)


Therapie von Patienten mit erworbenen vWF-Antikörpern.


Ca. 10 % der Patienten mit Typ 3 vWS entwickeln nach wiederholter Behandlung mit Faktorenkonzentraten Alloantikörper gegen vWF.

Weitere Behandlung mit vWF-haltigen Konzentraten ist ineffektiv und kann zudem anaphylaktische Reaktionen auslösen: 

  • Therapieversuch mit kontinuierlicher, hochdosierter Infusion von rekombinantem F VIII über 10 postoperative Tage war erfolgreich!
  • Therapieversuch mit aktivierten rekombinanten F VII erscheint aussichtsreich.

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